18.01.11 19:27 Uhr

 

Leben mit Diabetes

Gesund bleiben trotz "Zuckerkrankheit"

Quelle: djd

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Ausdruck

11/2010 / Diabetes kommt auf leisen Sohlen. Zu Beginn der Krankheit spüren die Betroffenen meist keine Beschwerden. Oft erfolgt die Diagnose erst dann, wenn der erhöhte Blutzucker dem Nervensystem und den Blutgefäßen bereits spürbar geschadet hat. Umso wichtiger ist es, weitere Schäden zu verhindern oder diese erst gar nicht entstehen zu lassen.

Diabetes kommt auf leisen Sohlen. Zu Beginn der Krankheit spüren die Betroffenen meist keine Beschwerden. Oft erfolgt die Diagnose erst dann, wenn der erhöhte Blutzucker dem Nervensystem und den Blutgefäßen bereits spürbar geschadet hat. Umso wichtiger ist es, weitere Schäden zu verhindern oder diese erst gar nicht entstehen zu lassen. Wie schweren Folgeerkrankungen entgegengewirkt werden kann, erklärten Mediziner und Diabetes-Fachleute beim Expertentelefon "Gesund bleiben trotz Zuckerkrankheit" am 11. November 2010.

Die Antworten auf die meistgestellten Fragen der Leser zum Thema
"Diabetes" kamen von:

Prof. Dr. med. Hilmar Stracke, Diabetologe von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III der Universität Gießen und Marburg

Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard L. Herrmann, Endokrinologe und Diabetologe vom Technologiezentrum Ruhr in Bochum

Prof. Dr. med. Vedat Schwenger, Nephrologe vom Universitätsklinikum Heidelberg

Diabetes macht vielen Menschen Angst! Das zeigte sich deutlich beim Experten-Telefon zum Thema "Gesund bleiben trotz Zuckerkrankheit" am 11. November 2010. Die Furcht der Anrufer vor schweren Folgeschäden wie Amputationen, Blindheit, Nierenschäden oder Herzinfarkt ist berechtigt. So trifft etwa die gefürchtete Nervenschädigung, die auch als Neuropathie bekannt ist, bis zu 50 Prozent aller Diabetiker. Sie kann beispielsweise einen diabetischen Fuß oder gar eine Amputation zur Folge haben.
Warum kommt es überhaupt soweit? Die Frage nach den Hintergründen der "Zuckerkrankheit" wurde im Zuge der Diabetes-Telefonaktion von vielen Betroffenen gestellt. Die Antworten der Experten zeigen klar, dass der Typ-2-Diabetes zwar oft unbemerkt, aber nie ohne Grund kommt. Die Krankheit betrifft besonders übergewichtige, bewegungsarme Menschen mit dem typischen "Rettungsring" am Bauch. Auch Gichtkranke und Menschen mit einem erhöhten Blutdruck und/oder erhöhten Blutfetten sind gefährdet. Das alles verursacht aber erst dann Diabetes, wenn eine entsprechende genetische Veranlagung besteht.
Je eher der Diabetes erkannt wird, umso besser sind die Chancen, diesen durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflussen oder sogar stoppen zu können, ist die ermutigende Nachricht der Experten.

Gefährlich von Beginn an
Entscheidend ist, die Erkrankung schon im Frühstadium ernst zu nehmen: "Es gibt durchaus Fälle, bei denen schon ein leicht erhöhter Blutzuckerspiegel Folgeerkrankungen verursacht, insbesondere wenn auch der Blutdruck erhöht ist. Es ist also wichtig, sowohl den Blutzucker als auch den Blutdruck möglichst gut einzustellen", erklärte Prof. Dr. Vedat Schwenger, der als Nierenspezialist am Universitätsklinikum Heidelberg tätig ist.
Priv.-Doz. Dr. med. Burkhard L. Herrmann, Endokrinologe und Diabetologe vom Technologiezentrum Ruhr in Bochum, empfahl, auf Missempfindungen in den Füßen oder Händen wie Kribbeln, Brennen, Schmerzen oder Taubheitsgefühle zu achten. Das seien Symptome für eine diabetische Neuropathie, also Anzeichen dafür, dass der erhöhte Blutzucker die Nerven angegriffen hat.

Warum Vitamine so wichtig sind
Bei der Verhinderung von Folgeschäden spielen auch Vitalstoffe eine besondere Rolle. Laut Professor Stracke, Diabetologe von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III der Universität Gießen und Marburg, trifft das vor allem für das Vitamin B1, das Thiamin, zu: "Studien haben gezeigt, dass Diabetiker häufig unter einem extremen Thiamin-Mangel leiden, weil sie das Vitamin vermehrt über den Urin ausscheiden", so Stracke. Durch den erhöhten Blutzucker werde die Niere durchlässiger für Thiamin. Es könne dadurch in großen Mengen verloren gehen. Ein fataler Teufelskreis, da gerade dieser Stoff für den Zucker- und Nervenstoffwechsel sehr wichtig ist. Ein Mangel kann Nervenstörungen wie die Neuropathie verursachen oder verschlimmern, aber auch Gefäßschäden fördern.

Obst und Gemüse reichen nicht aus
Dr. Herrmann klärte die Anrufer darüber auf, warum sich dieser häufige Thiamin-Mangel durch die Ernährung alleine nicht verhindern lässt: "Um krankheitsbedingte Thiaminverluste auszugleichen, kann das Vitamin über die Nahrung allein oftmals nicht in ausreichender Menge bereitgestellt werden." Hier sollte an eine zusätzliche medikamentöse Einnahme gedacht werden. Besonders von Vorteil für Diabetiker ist laut Professor Stracke die Thiamin-Vorstufe Benfotiamin: "Sie ist fettlöslich und gelangt dadurch wesentlich besser in den Körper und in die Gewebe beziehungsweise in die Nerven." Studien hätten gezeigt, dass Benfotiamin die Nerven und Blutgefäße von Diabetikern vor den schädlichen Auswirkungen des erhöhten Blutzuckers schütze. Auch bereits vorhandene Missempfindungen durch Nervenschäden können durch Benfotiamin, das zum Beispiel als milgamma protekt rezeptfrei in Apotheken erhältlich ist, gelindert werden.