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29.09.10 20:35 Uhr

 

Neue Regeln für Bankgeschäfte

Darauf müssen Sie achten

Quelle: BAGSO-Nachrichten 2010-01

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Artikel

Alle Banken in Deutschland haben Ende Oktober 2009 ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert. Das wurde durch neue gesetzliche Regeln für den Zahlungsverkehr in der Europäischen Union (EU) nötig. Für die Verbraucher bringen die neuen Regeln einige Verbesserungen, sie beinhalten aber auch viele Fallen. Verbraucherfinanzwissen.de erklärt die drei Punkte, auf die Sie bei Ihren Bankgeschäften jetzt ganz besonders achten sollten.

  • 1. Überprüfen Sie Ihre Überweisungen gründlich
    Banken sind nicht mehr verpflichtet, den auf einem Überweisungsformular eingetragenen Namen des Empfängers mit der angegebenen Kontonummer zu vergleichen. Bisher galt diese Regelung nur für Überweisungen per Telefon oder über das Internet. Nun wird sie auch auf Überweisungen in Papierform ausgedehnt.

    Für Sie heißt das: Überprüfen Sie Ihre Angaben noch gründlicher als zuvor, denn jeder Zahlendreher kann für Sie zum Problem werden. Und nach dem Eingang der Überweisung bei der Bank können Sie den Auftrag nicht mehr widerrufen. Sollten Sie einen Fehler gemacht haben, sind Sie auf die Kulanz der Bank angewiesen.

    Vorteilhaft für Sie ist, dass Überweisungen ins europäische Ausland nun genauso schnell ausgeführt werden wie Inlands-Überweisungen: Binnen drei Tagen muss das Geld auf dem Konto des Empfängers sein. Wenn Sie die Überweisung auf Papier einreichen, gilt eine Frist von vier Tagen.


  • 2. Behalten Sie den Überblick im Lastschriften-Labyrinth
    Bisher gab es in Deutschland zwei Arten von Lastschriften: das Einzugsermächtigungs- und das Abbuchungsverfahren. Als ob das nicht kompliziert genug wäre, ist nun ein weiteres Verfahren hinzugekommen: die fast europaweit gültige SEPA-Lastschrift. Die Abkürzung SEPA steht für den Europäischen Zahlungsverkehrsraum, der alle Länder der EU und einige weitere Staaten umfasst. Bei allen drei Verfahren müssen Sie bestimmte Besonderheiten beachten. Das sind die wichtigsten:

    Das Einzugsermächtigungsverfahren
    Beim deutschen Einzugsermächtigungsverfahren geben Sie als Verbraucher einem Unternehmen die Vollmacht, Geld von Ihrem Girokonto einzuziehen – etwa wenn Sie beim Einkauf mit Karte und Ihrer Unterschrift zahlen. Das Unternehmen legt der Bank anschließend die Lastschrift vor.

    Das Besondere daran: Ein Vertrag besteht nur zwischen Ihnen und dem Unternehmen, bei dem Sie eingekauft haben. Die Bank selbst vertraut zunächst darauf, dass alles seine Richtigkeit hat. Daher haben Sie auch die Möglichkeit, Lastschriften innerhalb einer Frist von sechs Wochen ab Rechnungsschluss ohne Begründung rückgängig zu machen. Der Rechnungsschluss hat nichts mit der Abbuchung des Geldes von Ihrem Konto zu tun. Vielmehr erstellt die Bank ihn für das gesamte Girokonto – in der Regel zum Ende jedes Quartals. Sie sollten diesen Abschluss sorgfältig prüfen und allen Buchungen widersprechen, die Sie für ungerechtfertigt halten. Als Verbraucher befinden Sie sich bei diesem Verfahren in einer recht komfortablen Position, weil Sie keine Begründung brauchen, um einer Lastschrift zu widersprechen. Zudem ist die Frist von sechs Wochen ab Rechnungsschluss relativ großzügig.

    Das Abbuchungsverfahren
    Auch beim Abbuchungsverfahren treffen Sie eine Vereinbarung mit dem Unternehmen. Im Unterschied zum Einzugsermächtigungsverfahren weisen Sie aber auch Ihre Bank unmittelbar an, eine Lastschrift an den Zahlungsempfänger zu übermitteln. Weil Sie Ihrer Bank direkt die Genehmigung zur Lastschrift erteilen, können Sie Abbuchungen anschließend auch nicht ohne Begründung und nur in Ausnahmefällen widersprechen.

    Das SEPA-Lastschriftverfahren
    Das neu eingeführte SEPA-Lastschriftverfahren soll Lastschriften in der gesamten EU und weiteren Ländern wie der Schweiz und Norwegen von einem Konto aus möglich machen. Damit können Besitzer eines Ferienhauses in Spanien zum Beispiel ihre Stromrechnungen von ihrem deutschen Girokonto abbuchen lassen.

    Damit Sie diese europaweite Lastschrift nutzen können, müssen sowohl Ihre Bank als auch das Unternehmen, mit dem Sie ein Geschäft abschließen, sowie dessen Bank das SEPA-Lastschriftverfahren einsetzen. Wenn Sie das Verfahren nutzen wollen, müssen Sie dem Unternehmen, das die Zahlungen empfangen soll, eine Genehmigung dafür erteilen – das sogenannte SEPA-Lastschriftmandat. Die Bank des Unternehmens legt Ihrer Bank anschließend die Lastschrift vor.

    Buchungen nach dem SEPA-Verfahren können Sie innerhalb von acht Wochen nach Abbuchung widersprechen. Das klingt, als sei die Frist länger als beim deutschen Einzugsermächtigungsverfahren. Tatsächlich ist die Frist aber meist kürzer, weil sie beim Einzugsermächtigungsverfahren nicht schon am Tag der Abbuchung zu laufen beginnt, sondern erst nach dem Rechnungsschluss. Wenn Sie das SEPA-Lastschriftverfahren nutzen, sollten Sie also regelmäßig Ihre Kontoauszüge prüfen – am besten mindestens einmal im Monat.

    Die Verfahren im Vergleich
    Die verschiedenen Lastschriftverfahren unterscheiden sich also vor allem hinsichtlich der Möglichkeiten, Abbuchungen zu widersprechen. Am verbraucherfreundlichsten ist das Einzugsermächtigungsverfahren: Sie können einer Abbuchung ohne Begründung widersprechen und haben dafür unter Umständen mehr als vier Monate Zeit. Beim SEPA-Lastschriftverfahren ist die Widerspruchsfrist auf acht Wochen ab der Buchung verkürzt. Und beim Abbuchungsverfahren ist ein Widerspruch nur schwer möglich.


  • 3. Sperren Sie verlorene EC und Kreditkarten so schnell wie möglich
    Wenn jemand Ihre EC-Karte stiehlt und anschließend Geld von Ihrem Konto abhebt, dann haften Sie nach den neuen Regeln bis zur Sperrung der Karte mit einer Selbstbeteiligung von bis zu 150 € – und zwar auch dann, wenn Sie keine Schuld am Missbrauch Ihrer Karte trifft. Bisher mussten Sie in diesem Fall gar nichts zahlen.

    Für Sie heißt das: Wenn Sie bemerken, dass Ihre EC- oder Kreditkarte fehlt, sollten Sie die Karte so schnell wie möglich sperren lassen. Erst dann sind Sie vor Verlusten geschützt. Wir empfehlen, verloren gegangene oder gestohlene Karten über die kostenfreie Rufnummer 116 116 sperren zu lassen.

    Es kann darüber hinaus passieren, dass Ihre Bank von Ihnen verlangt, für den gesamten entstandenen Schaden zu haften. In diesem Fall sollten Sie sich unbedingt wehren und sich juristisch beraten lassen – zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale.



Sie sehen: Es hat sich einiges geändert – manches zu Ihrem Vorteil, einiges leider zu Ihrem Nachteil. Daher sollten Sie die Augen bei Ihren Bankgeschäften offen halten, Überweisungen noch genauer prüfen, Ihre Kontoauszüge regelmäßig anschauen und beim Verlust von EC- und Kreditkarten schnell reagieren. Und im Zweifel sollten Sie nachfragen – zum Beispiel im Forum von Verbraucherfinanzwissen. de, dem Finanzportal der Verbraucherzentrale NRW.

Verbraucherzentrale NRW
Holger Handstein
Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf
Tel.: 02 11 / 38 090
E-Mail: holger.handstein@vz-nrw.de

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