27.08.14 20:35 Uhr

 

Tipps zu Vermögen und Ruhestand

Alles wird teurer: Die Inflation frisst Ihre Rente!

Quelle: Tipps zu Vermögen und Ruhestand 16/2014

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Ausdruck

Renten, Versicherungen, Wertpapierdepots und weiteres Vermögen: Auf dem Papier sieht die Summe, die für den Ruhestand zur Verfügung steht, bei vielen noch recht vielversprechend aus. Doch viele machen die Rechnung ohne die Inflation. Was sind die Vorsorgegelder in 10, 20 oder 30 Jahren noch wert? Und was sollten Sie heute machen, um später gut leben zu können?

Die Inflationsrate in Deutschland ist so niedrig wie schon lange nicht mehr. Im Juli 2014 betrug sie gerade einmal 0,8 Prozent – die Preise sind heute also 0,8 Prozent teurer als vor einem Jahr. In den letzten drei Jahrzehnten lag die durchschnittliche Jahresinflation nur drei Mal darunter. 1999 betrug sie 0,6 Prozent, 2009 0,3 Prozent und 1987 0,2 Prozent. Im Durchschnitt lag sie bei etwa 2,5 Prozent. Anfang der 80er und 90er war sie auf über 5 bzw. 6 Prozent gestiegen. Solche hohen Werte sind auch in den nächsten Jahrzehnten wieder möglich.

Die Auswirkungen der Inflation



Vor allem wegen der Langfristigkeit hat die Inflation (oder Teuerung) einen entscheidenden Einfluss auf die Ruhestandsfinanzierung. Bei deren Planung werden die voraussichtlichen Einkünfte und Ausgaben ermittelt, die Einkommenslücke berechnet und das Vermögen errechnet, das diese Lücke langfristig schließen muss. Sinkt die Kaufkraft des Geldes, braucht man eine immer größere Summe, um den Lebensstandard zu halten.

Auf den ersten Blick scheint eine jährliche Inflation von 2 oder 3 Prozent vernachlässigbar. Allerdings hat sie bei der Betrachtung längerer Zeitperioden– bedingt durch den Zinseszinseffekt – enorme Auswirkungen. Wer also heute mit 50 oder 55 seine Ruhestandsfinanzierung berechnet, der muss mit einer langfristigen Durchschnittsinflation kalkulieren, um sicher zu sein, dass seine Rechnung auch 30 oder 40 Jahre später noch aufgeht.

Die Einkommenslücke wächst



Angenommen, die monatlichen Einnahmen belaufen sich zu Beginn des Ruhestands voraussichtlich auf 3.000 Euro und stehen monatlichen Ausgaben von 5.000 Euro gegenüber. Das ergibt eine Einkommenslücke von 2.000 Euro. Bereits diese Annahmen müssen inflationsbereinigt gemacht werden, wird doch die Ruhestandsplanung in der Regel zehn oder 15 Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand durchgeführt. Und die Szenarien zeigen, wie stark diese Summen sich in den darauffolgenden 10, 20 und 30 Lebensjahren verändern.

Der Einfachheit halber wird in den Berechnungen für Einnahmen und Ausgaben die gleiche Teuerung angenommen. Normalerweise verteuern sich die Ausgaben entsprechend der Inflation, während bei den Einnahmen der Inflationsausgleich oft nur teilweise geschieht.

Bei 1 Prozent Inflation



Beträgt die durchschnittliche jährliche Inflation niedrige 1 Prozent, wären zwar die Einnahmen nach 10 Jahren auf 3.313 Euro gestiegen, die Ausgaben jedoch auf 5.523 Euro und die Einkommenslücke damit auf 2.210 Euro. Nach 20 Jahren würde die Einkommenslücke bereits 2.440 Euro, nach 30 Jahren bereits 2.696 Euro betragen.

Bei 2,5 Prozent Inflation



Ein realistisches Bild bietet eine Rechnung mit dem Durchschnittswert der Vergangenheit (siehe Grafik). Beträgt die Inflation 2,5 Prozent, wären die Einnahmen nach 10 Jahren auf 3.840 Euro, die Ausgaben auf 6.400 Euro und die Einkommenslücke auf 2.560 Euro. Nach 20 Jahren beträgt die Einkommenslücke bereits 3.278 Euro, nach 30 Jahren 4.195 Euro.

In der Realität ist sie sogar noch größer, weil die Inflation bei Renten oft nur zum Teil ausgeglichen wird, das Einkommen also schrumpft. Und je höher die Inflation, desto unwahrscheinlicher ist es, dass diese ausgeglichen wird.

Habe ich genügend Vermögen aufgebaut?



Wer beim Lebensstandard keine Abstriche machen möchte, muss diese Einkommenslücken aus seinem Vermögen schließen. Doch gleichzeitig nagt die Inflation am aufgebauten Kapital und seinen Erträgen. Bei der Durchschnittsinflation von 2,5 Prozent ist ein Vermögen von 1 Million Euro nach 10 Jahren noch 776.000 Euro Wert, nach 20 Jahren noch 603.000 Euro und nach 30 Jahren noch 468.000 Euro. Oder anders betrachtet: Wirft dieses Vermögen eine Nominalrendite von 4 Prozent ab, entspricht dies (vor Steuern) lediglich einer Realrendite von 1,5 Prozent – also statt 40.000 Euro im Jahr nur 15.000 Euro.

Diese Rechnungen machen deutlich, wie sehr die jährliche Geldentwertung in das eigene Vermögensgefüge eingreift. Natürlich weiß niemand genau, wie sich die Inflationsrate in den kommenden Jahrzehnten entwickelt. Daher sollten der Finanzplanung Inflationsannahmen zugrunde liegen, die den langfristigen Durchschnittswerten der Vergangenheit entsprechen.

Die Annahme von 2,5 Prozent Inflation stellt eine vernünftige Planungsgrundlage dar. Wer eher vorsichtig kalkulieren möchte, kann die Ausgaben für Lebenshaltung stärker ansteigen lassen als die Einnahmen aus Renten und Mieten. Denn in der Realität fallen letztere häufig geringer aus, da die Rentenkassen leer sind und Vermieter sich mit Mieterhöhungen schwertun. Sinnvoll ist es daher, in der eigenen Finanzplanung die Einnahmen z. B. nur mit der hälftigen Inflationsrate ansteigen zu lassen.

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