05.07.11 12:23 Uhr

 

Trauernden in schweren Zeiten beistehen

Ich bin für dich da

Quelle: dapd/mhi/syb

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Ausdruck

Bergisch Gladbach/Waldbronn (dapd). Im Umgang mit Trauernden fühlen sich viele Menschen hilflos. Sie haben Angst, das Falsche zu tun - und tun daher lieber gar nichts. "Trauernde berichten oft, dass Freunde und Bekannte die Begegnung mit ihnen meiden, sich sogar regelrecht zurückziehen", sagt Stephanie Witt-Loers, Trauerbegleiterin aus Bergisch Gladbach. Dieses ausweichende Verhalten sei für Betroffene häufig eine zusätzliche Belastung - "Sie fühlen sich in dieser schweren Zeit alleine gelassen."


Im Umgang mit Trauernden fühlen sich viele Menschen hilflos. Sie haben Angst, das Falsche zu tun - und tun daher lieber gar nichts. "Trauernde berichten oft, dass Freunde und Bekannte die Begegnung mit ihnen meiden, sich sogar regelrecht zurückziehen", sagt Stephanie Witt-Loers, Trauerbegleiterin aus Bergisch Gladbach. Dieses ausweichende Verhalten sei für Betroffene häufig eine zusätzliche Belastung - "Sie fühlen sich in dieser schweren Zeit alleine gelassen."

Dabei ist es gar nicht so schwer, Trauernden Trost zu spenden.
"Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch die Gabe hat, sich in andere einzufühlen und sie zu trösten. Man sollte auf diese Fähigkeit vertrauen und einfach seinem Gefühl folgen", sagt Elisabeth Strnad, Co-Autorin des Ratgebers "Trauernden begegnen". Es gehe beim Trösten nicht um große Worte oder Taten. "Betroffenen ist oft schon sehr viel geholfen, wenn sie spüren, dass andere Interesse an ihnen und ihrem Schicksal haben", sagt die Diplom-Theologin aus Waldbronn im Schwarzwald.

Die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzen

Häufig scheuen sich Außenstehende, Trauernde anzusprechen, weil sie denjenigen nicht so gut kennen. "Grundsätzlich kann jeder, der sich einem Trauernden verbunden fühlt, Unterstützungsangebote machen", sagt Stephanie Witt-Loers. Allerdings sollte die Anteilnahme aufrichtig sein - "Betroffene spüren, wenn man ihnen aus reinem Pflichtgefühl Unterstützung anbietet." Zudem sollte man sich fragen, wo Grenzen der eigenen Einsatzbereitschaft liegen. Denn wenn man Trauernden seine Hilfe anbiete, sollte dieses Angebot auch zuverlässig sein. "Es ist sehr verletzend für den Betroffenen, wenn er nach einiger Zeit die angebotene Hilfe einfordert - und dann abgelehnt wird", betont die Autorin des Ratgebers "Trauernde begleiten".

Trauer sei sehr individuell, jeder erlebe diese Zeit anders.
"Deshalb braucht auch jeder Trauernde eine andere Art der Unterstützung", betont Witt-Loers. Oft sei es daher gut, den Trauernden einfach zu fragen, was er sich wünscht. "Man kann ruhig zugeben, das man unsicher ist", sagt die Trauerbegleiterin. Diese Offenheit erleichtere es dem Trauernden, selbst auch seine Verletzlichkeit zu zeigen und sich zu öffnen.

Konkrete Hilfsangebote

Strnad empfiehlt, Trauernden konkrete Hilfsangebote zu machen.
"Wer trauert, hat oft keine Kraft, aktiv zu werden und von sich aus um Hilfe zu bitten", sagt Strnad. Allgemeine Angebote, man könne jederzeit anrufen oder vorbeikommen, blieben somit häufig ungenutzt.
"Besser ist es daher, wenn man selbst immer mal wieder auf den anderen zugeht und beispielsweise konkret fragt, ob man den Trauernden am Wochenende anrufen darf", sagt Strnad.

Es gebe viele Arten, Trauernden Halt zu geben. "Schon kleine Gesten können Betroffenen gut tun", betont die Autorin. So könne man anbieten, sich um die mit der Beerdigung zusammenhängenden Schreibaufgaben zu kümmern oder seinen Rasen zu mähen. Auch gemeinsame Spaziergänge in der Natur seien für Trauernde oft tröstlich.

Wichtig sei, dass man Menschen nach einem persönlichen Verlust weiter ins gesellschaftliche Leben einbinde. "Chormitglieder könnten ihren ehemaligen Mitsänger beispielsweise ansprechen und ermuntern, wieder zu den Proben zu kommen", sagt Strnad. Trauernde koste es oft Kraft, wieder in solche Gruppen hineinzugehen. Diesen Menschen könne man deutlich signalisieren: Du gehörst noch zu uns.

"Eine schöne Geste ist auch, für den Trauernden zu kochen", sagt Stephanie Witt-Loers. Betroffene seien oft so sehr mit anderen Dingen beschäftigt, dass sie nur wenig essen. Man könne ihnen beispielsweise einen Topf mit Suppe vorbeibringen und anbieten, das auch nächste Woche wieder zu tun. Sich umsorgt und versorgt zu fühlen tue in dieser schweren Zeit gut. "Vielen hilft es aber auch, wenn andere ihnen einfach zuhören und mit ihnen den Trauerschmerz aushalten", sagt die Trauerbegleiterin.

Ablehnung nicht persönlich nehmen

Wichtig sei jedoch, dass man dem Trauernden zugestehe, diese Angebote anzunehmen oder abzulehnen. "Man sollte sich darüber bewusst sein, dass Trauernde intensive, oft sehr widersprüchliche Gefühle durchleben", sagt Witt-Loers. Es könne daher vorkommen, dass der Betroffene an einem Tag niemanden sehen möchte, sich aber schon am nächsten Tag über Besuch freuen würde. Auf keinen Fall sollte man es persönlich nehmen, wenn ein Trauernder ein Hilfsangebot ablehnt.
"Man sollte vielmehr signalisieren, dass man Verständnis für die Gefühle des anderen hat - und dass das Angebot weiterhin gilt", sagt Witt-Loers. Zudem sollte man sich durch die Ablehnung nicht entmutigen lassen, sondern zu einem anderen Zeitpunkt im Trauerprozess wieder auf den anderen zugehen.

Das Umfeld Trauernder vergisst oft, dass die Trauer auch Jahre nach einem Todesfall immer noch weh tun kann. "Beispielsweise an besonderen Tagen wie der Geburtstag oder Weihnachten wird der Schmerz oft wieder stärker", sagt Witt-Loers. Auch das Datum, an dem das verstorbene Kind eigentlich seine Kommunion gefeiert hätte, könne so ein Anlass sein. Es sei hilfreich und tröstend, wenn Außenstehende sich an solche Termine erinnerten und trauernden Menschen zeigten, dass man mit ihnen an diesen für sie schweren Tag gedacht hat. "Wichtig ist auch, dass das Umfeld weiter über den Verstorbenen spricht und auch fröhliche Erinnerungen pflegt", sagt Elisabeth Strnad. Es könne zwar vorkommen, dass Trauernde bei solchen Gesprächen anfangen zu weinen und ihre Trauer wieder stärker spüren - "Aber das ist nicht schlimm, das gehört dazu", betont Strnad. Schlimmer sei es für Betroffene, wenn ihre Trauer ausgeschlossen werde, wenn im Leben kein Platz für ihren Schmerz sei.